2017/18 – Steckrübe

Die Steckrübe oder Kohlrübe (Brassica napus ssp. napobrassica L.) ist vom VEN als Gemüse des Jahres für die Jahre 2017/2018 auserkoren worden. VEN möchte die Menschen dazu ermuntern, sich in den kommenden zwei Jahren vermehrt der Steckrübe anzunehmen, in Garten und Küche zu experimentieren und das Wissen über dieses klassische Gemüse in die Welt zu tragen. Die Steckrübe ist ein Gemüse mit Tradition, aber auch mit Zukunft. Als Anregung hat die AG Gemüse des Jahres (Alexander Artmann, Elvira Stoltmann, Johannes Timaeus) des VEN einen großen Fundus an Informationen u.a. zur Züchtungsgeschichte, Sortenvielfalt, Kultivierung im Garten und Saatgutvermehrung zusammengetragen. Eveline Renell hat die Lieblings-Rezepte einiger VEN-Mitglieder in einer schönen Rezeptsammlung zusammengestellt. Über die Saatgutliste des VEN kann man derzeit 10 verschiedene Steckrübensorten bestellen.

Die Steckrübe, Kohlrübe, Wrucke oder Wruke ist ein traditionelles Gemüse insbesondere des nördlichen Europas, wo sie auch in kühlem Klima gut gedeiht und mit ihrem mitunter zarten, süßlichen Aroma und guter Lagerfähigkeit vielfältig verwendbar ist. Nicht von ungefähr wird sie auch als Ananas des Nordens bezeichnet. Zugleich hat sie aber aufgrund der Erinnerungen an eine Geschichte verheerender Katastrophen bis heute einen schlechten Ruf. Als „Steckrübenwinter“ ist insbesondere der Jahreswechsel 1916/17 während des ersten Weltkriegs in die Geschichte eingegangen. Nach einer massiven Missernte von Kartoffeln und unter der Seeblockade durch die Westmächte wurden – nachdem die Schweine selbst bereits geschlachtet waren – die eigentlich als Viehfutter angebauten Kohlrüben an die hungernde Bevölkerung verteilt. Auch im Hungerwinter 1946/47 wurde wieder auf Steckrübenrationen zurückgegriffen.

Erst seit wenigen Jahren gewinnt die Steckrübe wieder an kulinarischer Bedeutung. Da ihr Anbau unkompliziert ist und sie weder Agrarchemie noch lange Transporte aus wärmeren Regionen benötigt, ist sie ein modernes, klimaschonendes Nahrungsmittel.

Botanik, Züchtungsgeschichte, Kulturformen

Die Steckrübe ist eine Unterart oder Varietät der Art Raps (Brassica napus L.). Das bedeutet, dass Steckrüben botanisch gesehen eigentlich Rapssorten sind, die Rüben ausbilden. Aufgrund von Chromosomenanalysen weiss man, dass Raps als Kreuzung aus den Arten Kohl (Brassica oleracea L.) und Rübsen, bzw. Stoppel- oder Mairüben (Brassica rapa L.) entstanden ist. Da sich Brassica napus im Prinzip nicht mehr mit den Elternarten kreuzt, handelt es sich um eine neue biologische Art. Diese ist bemerkenswerterweise nicht durch natürliche Evolution, sondern in der Kultivierung durch den Menschen entstanden.

Die klassische Kreuzungszüchtung hat also ganz ohne Gentechnik vollkommen neue Kulturpflanzen erzeugt – ein Beispiel für die hohe Kultur der Pflanzenzüchtung schon vor 300 Jahren und ihr großes Potenzial. Im Laufe der Zeit wurden innerhalb der biologischen Art des Rapses sehr verschiedene Kultursorten mit unterschiedlichsten Eigenschaften und Nutzungsformen herausgezüchtet. Dazu gehören der Ölraps zur Speiseölgewinnung, der Schnittkohl als Blattgemüse und eben auch die Steckrübe als Viehfutter und Lagergemüse für das Winterhalbjahr.

Quelle Text: Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e. V. – https://www.nutzpflanzenvielfalt.de
Zeichnung Quelle: MM. Vilmorin-Andrieux (1885) „The Vegetable Garden“. : MM. Vilmorin-Andrieux (1885) „The Vegetable Garden“.
Photo Quelle: http://picasaweb.google.com/seedambassadors/SscVarieties#5296490359767135106 |Urheber Picasa user Seedambassadors

2015/16 – Chili und Paprika

Die Menschen haben die Vielfalt von über 2000 Paprika und Chili-Sorten aus nur fünf Arten gezüchtet. Die daraus entstandene biologische Vielfalt ist wiederum die Grundlage kultureller Vielfalt, die in den vielen verschiedenen kulinarischen Verwendungen ihren Ausdruck findet. Chilis und Paprika bereichern unsere Küche durch ihre bunte Farbenpracht und fruchtigem, teils scharfen Geschmack und ihrem sehr hohen Vitamin-Gehalt. Dieses Kulturgut muss bewahrt aber auch behutsam weiterentwickelt werden. Um dieses Kulturgut zu würdigen und in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, wurden Chili und Paprika  vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) zum Gemüse des Jahres 2015/16 auserkoren.

Quelle Text: Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e. V. – https://www.nutzpflanzenvielfalt.de
Photo: Ishiwata masato (wikimedia commons)
André Karwath (wikimedia commons)